Woher wir kamen von Ulrike Schweikert

Das Buch «Woher wir kamen» verbindet Familienroman, historische Recherche und Identitätssuche zu einer vielschichtigen Geschichte. Im Mittelpunkt steht Jane. Sie ist die Tochter eines farbigen US-Soldaten und einer weißen Mutter. Diese hatte deutsche Wurzeln und kommt als junge Mutter bei einem Autounfall ums Leben. Wie ihr Vater und ihr Bruder geht auch Jane zum Militär, wo sie als Sanitäterin im Irak Krieg im Einsatz ist und traumatisiert zurückkommt.

Als ihr Vater stirbt, erbt sie unerwartet ein Haus auf Cape Cod. Es gehörte ihren Grosseltern mütterlicherseits. Sie beginnt zu räumen und stößt auf einen Stapel auf Deutsch geschriebener Briefe. Jane lässt sie übersetzten. Es stellt sich heraus, dass die Briefe von ihrem Großvater Benno an ihre Großmutter Emmy geschrieben wurden.

Die Geschichte handelt in verschiedenen Zeitebenen. In der Gegenwart lernen wir Jane gut kennen. Erzählt wird von ihrem Einsatz im Irak Krieg und die daraus resultierenden traumartigen Erlebnisse. Danach ist nichts mehr wie zuvor.

In den Rückblicken erfahren wir die Liebesgeschichte der Grosseltern im Berlin des Ersten Weltkriegs und der Goldenen Zwanziger. Themen wie Herkunft, Fremdheit, Kriegstraumata, Ausgrenzung und die Suche nach Zugehörigkeit ziehen sich durch den gesamten Roman.

Ulrike Schweikert erzählt die Geschichte so, dass Emotionen aufkommen. Stärken sind die sorgfältig recherchierten historischen Hintergründe und die emotionalen Figuren. Die Briefroman-Elemente schaffen Nähe zu den Charakteren und verleihen der Geschichte Authentizität. Gleichzeitig entwickelt sich nach und nach ein Familiengeheimnis, das die Spannung über mehr als 500 Seiten aufrechterhält.

Etwas schade ist, dass die Geschichte der Großeltern, nachdem sie in die USA emigriert sind, aufhört. Ich hätte sie gerne noch ein Stück des Wegs begleitet.

Ein grossartiger, fesselnder Roman, welcher sehr berührt.